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Die Ereignisse der letzten Jahre haben von
vielen Versicherungsunternehmen völlig neue und bisher nicht gekannte
Entscheidungen verlangt. Fachleute vermuten, dass auch noch die
nächsten Jahre von den Versicherungsbetrieben grundlegende
Veränderungen erfordern werden. Dabei kommt es bei Großkonzernen wie
auch bei kleineren Versicherungsbetrieben darauf an, wie erfolgreich
besonders die betriebswirtschaftlichen Sachverhalte gesteuert
werden.
Die Probleme betriebswirtschaftlich "in
den Griff" zu bekommen und auch nachhaltig im Griff zu behalten -
wer ist dafür eigentlich "zuständig"? Eine Behauptung am
Anfang: wenn Sie Führungskraft sind, dann ist es immer der, der Ihnen
aus dem Spiegel entgegenblickt!


Aber wissen Sie, Ihre Mitarbeiter und
Ihre Führungskraft eigentlich,
- wo Sie mit Ihrem Bereich, Ihrer
Abteilung, Ihrer Gruppe, Ihrer Vertriebseinheit aus
betriebswirtschaftlicher Sicht "stehen"?
- ob Sie mit bestimmten Arbeiten
wertschöpfend oder eher wertvernichtend tätig sind?
- ob sich Qualität, Zeit und Kosten
Ihrer Leistungen im richtigen Verhältnis befinden?
- ob notwendige Entwicklungen die
richtigen Prioritäten haben?
- was Ihre Kernprozesse kosten?
- ob und wie sich Ihre Aufgaben in der
Zukunft verändern?
- wie Ihre "Kunden" und Ihre
Kooperationspartner Sie sehen?
- ob Sie und Ihre Mitarbeiter die Ziele
kennen und gleichermaßen verfolgen?
- ob allen klar ist, wer für was
eigentlich verantwortlich ist?
- welche Ziele verfolgt werden sollen
und welche Maßnahmen hierfür notwendig sind?
In Versicherungsunternehmen arbeiten
sowohl in den verschiedenen Führungsebenen als auch im operativen
Tagesgeschäft vielfältige unterschiedliche Berufsgruppen - allen
gemeinsam ist aber die Tatsache, dass sie in ihrem "Betrieb"
immer wirtschaftlich arbeiten müssen, damit der Betrieb als Teil
bestehen bleiben und der Betrieb als Ganzes dauerhaft und nachhaltig
Gewinne erzielen kann.
Erfolglos und unwirtschaftlich arbeitende
Betriebsteile kann sich auf Dauer kein Unternehmen in der Wirtschaft
leisten. Heute wird häufig von einer "wertorientierten
Steuerung" gesprochen, das bedeutet konkret, es sollen kurz-
und langfristig mehr Werte geschaffen werden, als an Kosten hierfür
aufgewendet werden müssen. Das gilt für das Gesamtunternehmen ebenso
wie für seine einzelnen Teile, die ja alle einen Beitrag hierzu
liefern.
Nun sind aus der jüngsten
Vergangenheit Methoden bekannt, die bei nicht wirtschaftlich
ausreichenden Ergebnissen helfen sollen:
- Budgetkürzungen nach der
Rasenmäher-Methode: alle sparen 15 % ihrer Kosten
- Aussetzen wichtiger
Entwicklungsarbeiten: Seminare gibt es dieses Jahr nicht
- Ändern gerade eingeleiteter
Maßnahmen: alles wird jetzt zentral statt dezentral gemacht
- Autoritärer statt kooperativer
Führungsstil: alles "Gute" kommt von oben
- Ignorieren neuer Ideen: wir müssen
sparen, dafür haben wir jetzt keine Zeit
- Unrealistische Zielvorgaben: jeder
Außendienstler hat jede Woche x Verträge der Sparte y zu schreiben
- Falsche Betreuungsschwerpunkte: wir
müssen uns besonders um die leistungsschwachen Außendienstler
kümmern
- Falsche Zielgrößen: der Umsatz ist
entscheidend, nicht der Gewinn einer Sparte
- Falsche Anreize: das Neugeschäft wird
provisioniert, nicht die Bestandspflege
Dabei entsteht oft ein Eindruck von
"betriebswirtschaftlicher Hilfslosigkeit" - getrieben aus dem
Zwang, jetzt sofort und unter Druck so und nicht anders handeln zu
müssen! Das können aber immer nur kurzfristig wirkende
Feuerwehraktionen sein, die darauf abzielen, eine tatsächliche oder
vermeintliche aktuelle Krise kurzfristig zu bewältigen - mit
nachhaltiger betriebswirtschaftlicher Steuerung hat das meist nichts zu
tun.
Betriebswirtschaftlich ein Unternehmen
und seine einzelnen Teile zu steuern heißt:
- Die eigenen Chancen und Risiken zu
kennen und deren aktuelle und zukünftige Entwicklung laufend zu
beobachten.
- Das Richtige zu tun und das Falsche zu
lassen.
- Die eigenen Stärken und Schwächen zu
kennen, zu entwickeln, regelmäßig zu verbessern, zu halten oder zu
vermeiden.
- Die Arbeiten qualitativ, zeitgerecht
und kostengünstig durchzuführen.
Dafür braucht es
- Ziele für alle Betriebsteile, die
anspruchsvoll, erreichbar, verständlich, konkret und überprüfbar
sein müssen.
- Maßnahmen, die notwendig sind, um die
wichtigsten Ziele kurz-, mittel- und langfristig zu erreichen.
- Menschen, Zeit, Geld und Methoden, die
Maßnahmen umzusetzen.
- Transparenz für und Akzeptanz durch
alle an der Umsetzung Beteiligten.
Doch wie kommen die Führungskräfte
und Mitarbeiter der einzelnen Betriebsteile zu Zielen, Maßnahmen,
Transparenz und Akzeptanz?
Viele Versicherungsunternehmen haben in
ihren Führungsgrundsätzen oder im Unternehmensleitbild das Konzept
"Führen mit Zielen" festgelegt, doch wie sieht häufig die
tägliche Führungspraxis im Normalfall des Tagesgeschäftes - nicht in
einer Krise - aus?
- Ziele werden eher von oben vorgegeben
statt gemeinsam vereinbart.
- Ziele werden "herunter
gebrochen", statt nach Chancen und Stärken ausgerichtet.
- Ziele sind oft widersprüchlich und
schließen sich dann gegenseitig aus: wir wollen die niedrigsten
Betriebskosten und den besten Service für unsere Kunden haben.
- Maßnahmen werden ohne
betriebswirtschaftliche Analyse und Kalkulation begonnen.
- Kosten und Nutzen von Maßnahmen
werden nicht ermittelt.
- Maßnahmen werden nicht oder falsch
priorisiert: was ist notwendig, nützlich oder nur nett?
- Eine Priorisierung nach muss-, soll-
und kann-Maßnahmen erfolgt nicht.
- Die geplante(n) Qualität, Zeiten und
Kosten einer Maßnahme werden nicht regelmäßig mit den
tatsächlichen verglichen.
- Topps und Flops werden nicht
kommuniziert und können keine Lerneffekte auslösen.
- Gute Teillösungen werden nicht
kommuniziert und können damit nicht nachgeahmt werden.
- Der Tunnelblick von Experten lässt
neue Lösungen nicht zu.
- Zielvorgaben schaffen Entanwortung und
Demotivation bei den unteren Ebenen.
- Mangelnde Transparenz der Prozesse
führt zu unzureichenden Lösungen und überflüssigen
Zeitschleifen.
Wenn man nun meint, das seien die
typischen Führungsprobleme bei Großkonzernen, so lässt sich aus der
Erfahrung ergänzen, ein solches Verhalten findet sich auch in kleinsten
Organisationseinheiten, wo die Übersichtlichkeit doch noch gegeben sein
müsste.
Wie lässt sich denn nun die
betriebswirtschaftliche Steuerung verbessern?
Am Beginn dieses Prozesses steht ein
wenig Grundlagenarbeit:
Führungskräfte, deren Führungskräfte
und Mitarbeiter erarbeiten in einem Zeitraum von maximal drei
Arbeitstagen (!) in einem gemeinsamen Workshop
- eine qualitative Einschätzung ihrer eigenen
Leistungen, ihrer Kunden und ihrer Kooperationspartner nach dem
zukünftigen externen Bedarf und der gegenwärtigen internen
Kompetenz,
- die wichtigsten externen kritischen
Erfolgsfaktoren (Kundensicht, Marketing, Produkte und
Dienstleistungen),
- und die wichtigsten internen
kritischen Erfolgsfaktoren (Personal, Technik und Ausstattung,
Organisation: Strukturen und Prozesse, Methoden und Verfahren,
Finanzen)
- sowie deren Bewertung des
gegenwärtigen Ist-Zustandes und des anzustrebenden Soll-Zustandes.
- Für die priorisierten wichtigsten
Erfolgsfaktoren werden dann Ziele erarbeitet und konkret,
anspruchsvoll, erreichbar, verständlich und überprüfbar
formuliert.
- Für einige dieser Ziele - drei bis
fünf - werden dann konkrete Maßnahmenpläne erarbeitet.
- Für jeden Maßnahmenplan wird eine qualitative
Analyse erstellt: welche einzelnen Erfolgsfaktoren sind wie von
dieser geplanten Maßnahme betroffen.
- Für jeden Maßnahmenplan wird dann
eine Investitionskalkulation - eventuell mit verschiedenen
Alternativen: optimistisch, realistisch, pessimistisch -
durchgeführt.

Danach beginnt dann in kleinen Teams,
die von Mitarbeitern des eigenen Bereiches und auch unterstützender
Bereiche gebildet werden, die Umsetzung der einzelnen geplanten Schritte
der drei bis fünf Maßnahmenpläne.
Die Umsetzung wird begleitet durch
regelmäßig so genannte Steuerungskreis-Sitzungen, an denen die
Entscheider und Vertreter jedes Teams teilnehmen. Hier wird der
Fortschritt der einzelnen Maßnahmenteams besprochen, notwendige
Entscheidungen getroffen und die interne Öffentlichkeitsarbeit im
eigenen Bereich vorbereitet. Auch wenn nicht immer alle Mitarbeiter
am Steuerungskreis teilnehmen, sind so doch alle über den Vertreter
ihres Teams und über andere Kanäle (schriftliche Unterlagen,
Ergebnis-Dokumentationen, Stellwände im Bereich mit den
Arbeits-(zwischen-)ergebnissen usw.) über den gesamten Fortgang der
Arbeiten informiert. Diese von Anfang an gelebte Transparenz trägt
wesentlich zur Motivation aller Mitarbeiter bei, sich selbst
aktiv an der Teamarbeit zu beteiligen.
Alle umgesetzten Maßnahmenpläne werden
dann zur Tagesarbeit: sie sind Teil des gemeinsam erarbeiteten
und entwickelten betriebswirtschaftlichen Steuerungskonzeptes dieses
Betriebsteiles.

Durch die umfassende Information und
Beteiligung an der Entwicklung wächst dabei auch das Methodenwissen und
das betriebswirtschaftliche Know-How im eigenen Bereich.
Die wichtigste Methode, die den Erfolg
dieses Vorgehens sicherstellt, ist die schrittweise Entscheidung über
die Prioritäten und die konsequente Beschränkung auf diese
priorisierten Ziele und Maßnahmen. Erst die wirksame Umsetzung der
ersten drei bis fünf Maßnahmen schafft dann das Vertrauen in die
eigenen Fähigkeiten, Entwicklungsarbeiten erfolgreich abschließen zu
können, und motiviert zur Bearbeitung der als nächstes priorisierten
weiteren Maßnahmen.
Die Identifikation der meisten
Mitarbeiter mit den unter eigener Beteiligung erarbeiteten Zielen und
Maßnahmen schafft auch die Chance, dass die entwickelten Maßnahmen
beibehalten werden. Hier schließt sich dann der (Führungs-)Kreis:
einmal jährlich sind dann die Ergebnisse dieser Grundlagenarbeit zu
überprüfen, zu bestätigen, zu ergänzen oder zu aktualisieren.
Wo können diese Methoden und
Vorgehensweisen traniert werden?
Am besten in innerbetrieblichen Workshops
oder internen Seminaren mit den auf diesen Bereich zugeschnittenen
Inhalten.
Eine andere Möglichkeit ist das
Seminarangebot unter www.versicherungsakademie.de
Weiterbildungsprogramm 2004, Abschnitt Betriebswirtschaft, hier:
"Betriebswirtschaftliches Praxiswissen für Führungskräfte".
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